Das endlose Warten als Spektakel: Marvels Marketing-Coup zu Avengers: Doomsday

Marvel Studios hat die Uhr zur Bühne und das Publikum zu den Akteuren gemacht. Was als fünfeinhalbstündiges Video begann, das die Geduld der Fans auf eine harte Probe stellte, ist einem YouTube-Livestream gewichen, der seinesgleichen sucht. Seit dem 13. Januar läuft ein Countdown, der unerbittlich bis zum Kinostart von Avengers: Doomsday am 18. Dezember 2026 in den USA – und zwei Tage früher in Frankreich – herunterzählt. Während die Sekunden verstreichen, vertreiben sich Tausende die Zeit im Chat. Der Witz an der Sache ist dabei längst zum eigentlichen Inhalt geworden: Die Vorhersagen der Community reichen von Gastauftritten von Will Smith bis hin zu P. Diddy oder absurden Markenplatzierungen. Dieser Stunt ist exzessiv, schamlos und seltsamerweise äußerst effektiv.

Ein Jahr Geduldsprobe in Echtzeit

Das Studio war schon immer für mutige Strategien bekannt, doch die Kampagne für den kommenden Avengers-Film dürfte das wohl ambitionierteste Unterfangen bisher sein. Bei noch über 330 verbleibenden Tagen bis zur Premiere startete das Unternehmen diesen Echtzeit-Countdown. Es ist kaum zu glauben, aber der Stream läuft tatsächlich nonstop für fast ein ganzes Jahr durch. Wer außer Marvel könnte sich eine solch kühne Idee erlauben?

Vorangegangen war dieser Aktion ein bemerkenswerter Teaser, der sich über fünfeinhalb Stunden erstreckte und die Fangemeinde tagelang in Atem hielt. Anstatt einen traditionellen Trailer zu veröffentlichen, gab das Video seine Geheimnisse nur tröpfchenweise preis, enthüllte nach und nach Besetzungsdetails und streute vage Hinweise zur Handlung. Die Zuschauer verbrachten Stunden damit, in den sozialen Medien zu spekulieren und jeden Frame nach versteckten Indizien zu durchforsten. Marvel versteht es meisterhaft, sein Publikum bei der Stange zu halten; dies war keine bloße Veröffentlichung, sondern ein Event. Wenn man diesen Aufwand als übertrieben empfindet, hat man den Kern der Strategie erfasst. Das Ziel ist es offensichtlich, die Wartezeit selbst in ein kulturelles Gemeinschaftserlebnis zu verwandeln.

Humor gegen die Langeweile

Der Live-Countdown hat unter den Fans ein unerwartetes Gemeinschaftsgefühl geweckt. Tausende schalten täglich ein, chatten und scherzen miteinander, um die Zeit totzuschlagen. Ein wiederkehrender Trend sind dabei haarsträubend komische Prognosen darüber, was in Avengers: Doomsday passieren könnte. Der Humor und die Kreativität dieser Vorhersagen haben innerhalb des Fandoms fast schon eine eigene Subkultur geschaffen.

Doch hinter diesem Spaß und der Interaktion verbirgt sich eine ernsthafte Frage: Warum widmet Marvel gerade dieser Veröffentlichung so viel Aufmerksamkeit? Ein Teil der Antwort liegt in der schieren Erwartungshaltung. Der Film wird bereits jetzt als einer der meisterwarteten Blockbuster des Jahres 2026 gehandelt. Durch diese Echtzeit-Strategie stellt das Studio sicher, dass der Film monatelang im Gespräch bleibt und Nostalgie sowie Aufregung aufbaut, noch bevor überhaupt jemand im Kinosaal sitzt.

Jenseits des verrückten Titanen: Die Eskalation der Bedrohung

Diese massive Marketing-Kampagne wirft jedoch auch inhaltliche Fragen auf. Um einen Hype dieser Größenordnung zu rechtfertigen, muss die Bedrohung im Film alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen. Thanos gilt längst als Legende im Marvel-Kosmos. Seit seinem ersten Auftritt in Invincible Iron Man #55 wurde der „Verrückte Titan“ zu einer zentralen Figur auf der kosmischen Bühne, der sich mit Helden wie Adam Warlock oder dem Silver Surfer maß. Sein Bestreben, das halbe Universum aus Liebe zu Mistress Death auszulöschen, machte ihn zu einem Charakter auf dem Niveau eines Extinktionsereignisses.

So gefürchtet Thanos auch ist und so sehr selbst die mächtigsten Wesen vor ihm erzittern – er ist keineswegs der mächtigste Schurke im Marvel-Universum. Über die Jahrzehnte wurden den Lesern Antagonisten vorgestellt, deren Kräfte die des Titanen wie Spielerei aussehen lassen. Es gibt Wesen, die das Potenzial haben, Thanos allein durch ihre schiere Macht zu vernichten, und die nun vielleicht den Maßstab für das kommende Kino-Universum bilden könnten.

Mephisto und die Manipulation der Realität

Marvel hat einige mächtige Monster eingeführt, aber nur wenige sind so potent wie Mephisto. Er ist zwar nicht der biblische Satan, regiert aber seine eigene höllische Dimension samt Dämonenarmee und ist berüchtigt dafür, Seelen zu sammeln. Seine Fähigkeit, die Realität zu verändern, lässt selbst Götter alt aussehen. Ein prominentes Beispiel ist die Storyline „One More Day“: Um die Ehe von Peter Parker und Mary Jane ungeschehen zu machen, überschrieb er die Geschichte des Universums 616 mit einer Version, in der die beiden nie geheiratet hatten. Das ist ein Machtlevel, das Thanos ohne externe Hilfsmittel wie die Infinity-Steine nicht erreichen kann.

Galactus, der Weltenverschlinger

Eine weitere Stufe auf der Machtskala nimmt Galactus ein, einer der populärsten Charaktere des Verlags. Galan von Taa ist eines der ältesten Wesen überhaupt; er existierte bereits vor dem aktuellen Universum und überlebte das Ende seiner eigenen Realität. Als Meister der „Power Cosmic“ besitzt er eine fast wahnsinnige Kontrolle über Materie und Energie. Zwar hat Thanos den Weltenverschlinger in der Vergangenheit besiegt, doch gelang ihm dies nie durch rohe Kraft, sondern nur durch taktische Überlegenheit. In einem direkten Kräftemessen wäre der Titan chancenlos.

Der Beyonder und die Macht aus dem Jenseits

Noch abstrakter wird es mit dem Beyonder, der erstmals 1985 in den Secret Wars auftrat. Dieses allmächtige Wesen erschuf die „Battleworld“ und ließ Helden gegen Schurken antreten, nur um die menschliche Natur zu verstehen. Später wurde enthüllt, dass er einer Rasse von Göttern angehört, die Multiversen vernichten können. Selbst Doctor Doom, einer der fähigsten Strategen, konnte Thanos spielend leicht töten, nachdem er sich die Kräfte eines Beyonders angeeignet hatte. Das macht den Beyonder – oder jedes Mitglied seiner Rasse – zu einer existenziellen Bedrohung, gegen die Thanos verblassen würde.

Uranos: Der Schrecken der Eternals

Vielleicht am beunruhigendsten ist jedoch die Existenz von Uranos. Thanos, selbst ein Eternal vom Titan, hielt sich lange für das gefürchtetste Wesen seiner Art. Doch als er in den letzten Jahren zum „Prime Eternal“ aufstieg, erfuhr er von Uranos. Dieser Großonkel von Thanos liebte die Zerstörung so sehr, dass er vor Jahrtausenden versuchte, seine eigenen Artgenossen in Kriegen auszulöschen. Er wurde schließlich besiegt und in ein spezielles Gefängnis außerhalb der Zeit verbannt. Uranos verfügt über dieselben Fähigkeiten wie Thanos, jedoch auf einem weitaus höheren Niveau, und konstruierte Waffen, die alles Leben auf einem Planeten in Minuten auslöschen konnten. Selbst der Verrückte Titan behandelte seinen Vorfahren mit äußerster Vorsicht, wohl wissend, dass Uranos ihn vernichten könnte.