Es scheint, als ob die Faszination für die Welt von Hogwarts keinerlei Verfallsdatum besitzt. Basierend auf den Bestseller-Romanen von J.K. Rowling, kehren nun alle acht Filme der Kultreihe für eine erneute Auswertung auf die große Leinwand zurück. Zuschauer können damit noch einmal Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint bei ihrer Ausbildung zu Zauberern begleiten, unterstützt von der Crème de la Crème der britischen Schauspielriege, darunter Alan Rickman, Maggie Smith und Ralph Fiennes. Doch während HBO Max derzeit bereits an einer TV-Adaption mit gänzlich neuer Besetzung arbeitet und Ende 2025 eine hochkarätig besetzte Audible-Original-Serie veröffentlicht wurde, lohnt sich ein Blick zurück. Denn die Entstehung der ursprünglichen Blockbuster war mindestens so abenteuerlich wie die Handlung selbst, und selbst eingefleischte Fans dürften von den technischen Hürden und versteckten Details überrascht sein.
Die Kunst der optischen Täuschung
Wer sich beim Betrachten der Filme vorgestellt hat, selbst durch die verwinkelten Gänge des Internats zu wandern, muss enttäuscht werden: Ein reales Hogwarts gibt es in dieser Form nicht. Die Außen- und Vogelperspektiven des Schlosses entstammen größtenteils einem extrem detaillierten Modell, das in monatelanger Handarbeit gefertigt wurde, sowie digitalen Animationen. Auch bei den Charakteren wurde getrickst. Hagrid, der in den Büchern als Halbriese beschrieben wird, stellte die Produktion vor logistische Herausforderungen. Zwar misst Darsteller Robbie Coltrane stattliche 1,85 Meter, für einen Halbgiganten reichte dies jedoch nicht aus.
In vielen Szenen wurde er daher von dem rund zwei Meter großen ehemaligen Rugby-Profi Martin Christopher gedoubelt. Um die Größenverhältnisse glaubhaft zu machen, bediente sich die Crew zudem eines Tricks mit zwei verschiedenen Hütten: Eine überdimensionale Version ließ normale Schauspieler klein erscheinen, während eine kleinere Hütte Hagrids Größe betonte.
Gefahren am Set und tierische Logistik
Dass praktische Effekte nicht immer die sicherste Wahl sind, zeigte sich in der Großen Halle. Das ikonische Bild der hunderter schwebender Kerzen sollte ursprünglich ganz ohne Computertechnik entstehen. Man nutzte echte, mit Ethanol gefüllte Rohre, die an Drähten von der Decke hingen. Die Hitze der Flammen brachte jedoch die Befestigungen zum Schmelzen, woraufhin die Konstruktionen auf die Tische stürzten – ein Sicherheitsrisiko, das schließlich dazu führte, dass die Kerzen in späteren Aufnahmen digital eingefügt wurden.
Auch die Arbeit mit Tieren stieß an physikalische Grenzen. Die Grafikabteilung hatte mit viel Liebe zum Detail unzählige Briefe entworfen, die von den Eulen getragen werden sollten. Am Set stellte sich jedoch heraus, dass das Papier für die Vögel schlicht zu schwer war. Die gesamte Ladung musste neu produziert werden – dieses Mal aus deutlich leichterem Material.
Geplante und verhinderte Besetzungen
Ein interessantes Detail der Casting-Geschichte ist, dass Autorin J.K. Rowling selbst für die Rolle von Harrys Mutter Lily vorgesehen war. Sie lehnte jedoch ab, da dies nicht ihren Vorstellungen entsprach, weshalb der Part an Geraldine Somerville ging.
Bei den Hauptdarstellern versuchten die Macher zunächst akribisch, den Buchbeschreibungen zu folgen, scheiterten aber an der Realität. Da Harry Potter in den Romanen grüne Augen hat, trug der blauäugige Daniel Radcliffe anfangs Kontaktlinsen. Diese vertrug er jedoch so schlecht, dass man die Idee schnell verwarf. Ähnlich erging es Emma Watson: Um Hermines im Buch beschriebene große Vorderzähne zu imitieren, erhielt sie ein falsches Gebiss, mit dem ein verständliches Sprechen allerdings unmöglich war.
Verewigt in den Kulissen
Die Liebe zum Detail erstreckte sich bis in die kleinsten Requisiten. In Dumbledores Büro, einem Raum voller magischer Artefakte, sind die unzähligen dicken Wälzer in den Regalen in Wahrheit ausrangierte britische Telefonbücher, die von den Bühnenbildnern kunstvoll in Leder gebunden wurden.
Zudem nutzte das Team die Gelegenheit, sich selbst im Film zu verewigen. Da es keine realen Vorlagen für die Ahnenbilder im verwunschenen Treppenhaus gab, porträtierte man kurzerhand Mitarbeiter der Crew als Hexen und Zauberer vergangener Jahrhunderte. Auch im Zauberstabladen von Ollivander finden sich auf den unzähligen Schachteln die Namen von Beteiligten der Produktion. Übrigens war jeder im Film gezeigte Zauberstab ein handgefertigtes Unikat.
Kultureller Einfluss
Wie tief sich das Franchise in unser Bewusstsein gegraben hat, zeigt sich nicht nur an Themenparks und Theaterstücken wie „Harry Potter and the Cursed Child“, sondern auch an der Sprache selbst. Der Begriff „Muggle“ für einen Nichtmagier schaffte es bereits 2003 offiziell in das Oxford Dictionary of English. Auch wenn der erste Teil der Saga bereits vor über 15 Jahren erschien, beweisen die aktuellen Wiederveröffentlichungen und neuen Projekte, dass die magische Welt noch lange nicht auserzählt ist.