Zwischen Kleinstadt-Fassade und Laufsteg-Kult: Hollywoods Liebe zu starken Frauenrollen

Was für das Kino die Superhelden-Franchises sind, stellt für die Streaming-Dienste der Romanbestseller dar. Diese Vorlagen sind quasi eingebaute Erfolgsgaranten, mit denen sich hochkarätige Teams vor und hinter der Kamera verpflichten lassen. Das Ziel: Ein Publikum zu gewinnen, das tendenziell etwas reifer und weiblicher ist als der typische Marvel-Fan. Die Liste prestigeträchtiger Produktionen wie Olive Kitteridge, Sharp Objects oder Big Little Lies wird nun durch ein weiteres Highlight ergänzt. Mit Little Fires Everywhere kommt die achtteilige Adaption von Celeste Ngs Bestseller auf die Bildschirme – ein Werk, das sich in den USA fast ein Jahr lang an der Spitze der New York Times-Bestsellerliste hielt.

Perfekte Oberflächen und lodernde Konflikte

Dass Vergleiche mit Big Little Lies gezogen werden, ist kein Zufall. Erneut fungiert Reese Witherspoon mit ihrer Firma Hello Sunshine als treibende Kraft und Hauptdarstellerin. Unter der Regie von Showrunnerin Liz Tigelaar schlüpft Witherspoon wieder in die Rolle einer wohlhabenden Matriarchin, die in einer vermeintlich idyllischen Kleinstadt verzweifelt um eine makellose Fassade kämpft. Schon der Einstieg greift ein bewährtes Spannungskonzept auf: Die Serie beginnt mit einem lichterloh brennenden Familienanwesen und der quälenden Frage nach der Schuld, bevor die Erzählung ein Jahr in die Vergangenheit springt.

Der Schauplatz ist Shaker Heights, ein akkurater Vorort von Cleveland, Ohio. Hier wacht Elena Richardson über alles und jeden – von ihrem Ehemann über die vier Kinder bis hin zu ihrer Arbeit als Lokalreporterin. In dieser Welt, in der zu hohes Gras im Vorgarten bereits eine Verwarnung nach sich zieht, sitzt Elenas Frisur ebenso perfekt wie ihre Perlenkette. Doch die Ordnung gerät ins Wanken, als Mia Warren in ihr Leben tritt. Die von Kerry Washington gespielte afroamerikanische Künstlerin ist das exakte Gegenteil der kontrollierten Elena. Sie ist alleinerziehend, arbeitet nebenher in einem China-Restaurant und lebt ein Nomadenleben. Was als eine Mischung aus Mitleid und unterdrückter Sehnsucht nach Veränderung beginnt – Elena vermietet Mia eine Wohnung und stellt sie später als Haushälterin ein – entwickelt sich schnell zu einem hochexplosiven sozialen Konflikt. Die Gegensätze dieser Lebenswelten erzeugen kleine Brandherde, die sich bald nicht mehr eindämmen lassen.

Die Rückkehr einer Ikone: Runway ist wieder da

Während Little Fires Everywhere die Abgründe der Vorstadt ausleuchtet, kehrt an anderer Stelle eine ganz andere Art von Matriarchin zurück. „Runway ist nicht nur ein Magazin, es ist eine globale Ikone“ – mit diesem Satz meldet sich eine der prägendsten Figuren der Popkultur zurück. Fast zwei Jahrzehnte nach dem ersten Welterfolg haben sich Meryl Streep, Anne Hathaway und Emily Blunt für das Sequel The Devil Wears Prada 2 wieder in Schale geworfen.

Der erste Trailer versetzt die Fans direkt zurück in das stylische New York City der 20th Century Studios. In einer Szene, die bereits jetzt Kultpotential hat, trifft Miranda Priestly in ihrem Büro erneut auf Andy Sachs. Doch in typischer Miranda-Manier scheint jegliche Erinnerung an die einstige Assistentin gelöscht zu sein. Während Miranda ihren Vertrauten Nigel (Stanley Tucci) fragend ansieht, ob sie die junge Frau kennen müsse, stellt Andy klar, dass sie sich weiterentwickelt hat: Sie ist mittlerweile die Redakteurin für Sonderbeiträge bei Runway. Eine Nachricht, die vor allem bei Emily für sichtlich schockierte Gesichter sorgt.

Ein eingespieltes Team hinter den Kulissen

Für die Fortsetzung konnte ein beachtlicher Teil des Original-Teams gewonnen werden. Regisseur David Frankel und die Autorin Aline Brosh McKenna übernehmen erneut die kreative Leitung. Neben den bekannten Gesichtern wird der Cast durch Namen wie Kenneth Branagh, Simone Ashley und Lucy Liu ergänzt, was die Ambitionen dieses Sequels unterstreicht. Auch Tracie Thoms und Tibor Feldman kehren in ihre ursprünglichen Rollen zurück.

Wer die Wartezeit bis zum Kinostart am 1. Mai überbrücken möchte, kann das Originalphänomen von 2006 derzeit auf Disney+ streamen. Es bleibt spannend zu sehen, ob die Fortsetzung den hohen Erwartungen und dem Biss des ersten Teils gerecht wird. Eines ist jedoch sicher: Das Spiel mit Macht, Mode und weiblichen Rollenbildern bleibt sowohl in der Vorstadt von Ohio als auch auf den Fluren von Runway ein absoluter Publikumsmagnet.