Es liegt wieder dieses vertraute Knistern in der Luft, wenn die ersten Namen für die neue „Let’s Dance“-Staffel durchsickern. RTL macht zwar noch ein gut gehütetes Geheimnis aus dem genauen Starttermin, aber die erste Katze ist bereits aus dem Sack. Vanessa Borck wagt sich in Kürze ins Kölner Scheinwerferlicht. Für die 29-jährige Content Creatorin, die auf Social Media unter dem Handle „nessiontour“ beachtliche 1,7 Millionen Follower um sich schart, ist das Ganze absolutes Neuland. Tanzerfahrung? Fehlanzeige. Wenn man mal vom obligatorischen Wippen im Club absieht. In ihrem Vorstellungsvideo macht sie aus ihrer Aufregung keinen Hehl und gibt offen zu, dass ihr die Show gehörigen Respekt einflößt. Und das völlig zu Recht. Dass das TV-Format seinen 14 Kandidatinnen und Kandidaten oftmals körperlich und mental alles abverlangt, ist Borck durchaus bewusst. Man dürfe das Ganze nicht unterschätzen, vor allem den enormen Druck nicht.
Die Flucht vor dem Reality-Fluch
Dennoch überwiegt die Vorfreude, und vielleicht ist es genau diese extreme Belastung, die sie jetzt sucht. Privat taucht sie gerne in die Musik ab, um den Kopf freizubekommen. Da Tanzen für sie untrennbar mit Gefühlen verknüpft ist, hofft sie, auf dem Parkett so einiges verarbeiten zu können. Material für einen tiefschürfenden Contemporary gibt es jedenfalls reichlich. Im vergangenen Jahr scheiterte ihr Versuch, als „Princess Charming“ auf RTL+ die große Liebe zu finden, ziemlich abrupt. Nachdem ihre eigentliche Favoritin Lotti das Format freiwillig verlassen hatte, warf auch Borck das Handtuch und brach die Reality-Show ab. Davor lag bereits die medial intensiv begleitete Trennung von ihrer Ex-Frau Ina, mit der sie als „coupleontour“ bekannt geworden war und eine gemeinsame Tochter hat. All diese Altlasten suchen nun nach einem Ventil in der Bewegung.
Rhythmus ohne Quotendruck
Um diesen befreienden Effekt zu spüren, muss man allerdings keine Verträge mit Fernsehsendern unterschreiben oder sich dem harten Urteil einer TV-Jury aussetzen. Die Faszination fürs Tanzen greift gerade im Frühsommer ganz andere Kreise auf, fernab von Kameras und Drama. Einen spannenden Kontrast zum durchgestylten Kölner Studio-Glamour liefert beispielsweise die Appalachian State University. Das dortige Department of Theatre and Dance holt im Juni seine beliebte Summer Dance Series aus dem Winterschlaf. Hier geht es nicht um Quoten oder Perfektion, sondern um ein niederschwelliges Community-Gefühl.
Eine Weltreise in der Turnhalle
Es ist ein völlig anderer Ansatz, der den Leistungsdruck komplett ausklammert. Ab dem 2. Juni öffnen sich in den Tanzstudios des Varsity Gym jeweils dienstags bis donnerstags zwischen 17:30 und 18:45 Uhr die Türen für kostenlose Kurse. Den Auftakt macht Sherone Price aus dem Dozententeam mit afrikanischem Tanz. Ohnehin liest sich das Programm für den restlichen Monat wie eine kleine Weltreise der Bewegungsstile. Wer möchte, kann sich in Modern Dance, Ballett oder Latin ausprobieren, an seinen Flamenco-Basics feilen oder beim Pilates die tiefen Muskelgruppen wecken. Sogar Musical Dance und kreative Bewegungsspiele stehen auf dem Plan. Das Konzept ist erfrischend unkompliziert: Jeder ab zehn Jahren kann einfach reinschnuppern, ganz gleich, ob Anfänger oder Fortgeschrittener. Wer noch keine 18 ist, bringt lediglich eine erwachsene Begleitperson mit. Selbst das lästige Thema Parken verliert seinen Schrecken, da das Parkhaus an der Rivers Street nach 17 Uhr kostenlos genutzt werden kann.
Egal ob man nun als Influencerin vor einem Millionenpublikum seine emotionalen Dämonen austanzt oder in einer schwülen Uni-Halle an den ersten Flamenco-Schritten scheitert – am Ende sprechen beide Welten dieselbe universelle Sprache. Man lässt den Alltag hinter sich, spürt den Takt und fängt einfach an.