Supergirl im Sinkflug: Ein DC-Experiment am Scheideweg

Es war als Hoffnungsträger für Warner Bros. und die DC Studios gedacht, doch der Kinostart von „Supergirl“ geriet zum Dämpfer. Trotz eines massiven Budgets von 170 Millionen Dollar – Marketingkosten noch gar nicht eingerechnet – blieb der Film weit hinter den Erwartungen zurück. Mit gerade einmal 38 Millionen Dollar Einspielergebnis in den USA und Kanada am Eröffnungswochenende lag der Streifen fast ein Viertel unter den ohnehin schon vorsichtigen Prognosen der Analysten. Auch international kamen lediglich 30 Millionen Dollar hinzu.

Die Kritik war gnadenlos: Auf Rotten Tomatoes erntete der Film das gefürchtete „Rotten“-Siegel, und auch das Publikum zeigte sich beim Verlassen der Säle wenig begeistert. Ein B-minus im CinemaScore spricht eine deutliche Sprache. Dabei ist „Supergirl“ kein Einzelfall. Seit die Ära der großen Superhelden-Euphorie der 2010er Jahre abgeebbt ist, geben sich die Zuschauer wählerisch. Filme wie „Black Adam“ oder das desaströse „Morbius“ haben bereits bewiesen, dass der Markenname allein heute nicht mehr ausreicht, um die Massen anzulocken.

Hinter den Kulissen wird zudem über ein unangenehmes Phänomen diskutiert. Branchenanalysten beobachten seit Jahren, dass Superheldinnen-Filme regelmäßig auf Ablehnung stoßen. Man kommt kaum um den Verdacht herum, dass sich ein erstarkter Misogynismus in der überwiegend männlichen Kernfangemeinde breitgemacht hat. „Supergirl“ wurde bereits vor dem Start von einer bekannten Welle an Online-Hass überrollt, wobei sich das Casting und das Aussehen von Milly Alcock zum Zielobjekt machten. Dass das Ausmaß dieses Backlashs Warner Bros. kalt erwischte, verrät viel über den Optimismus der Führungsetage, die eigentlich glaubte, die Kultur sei über solche Grabenkämpfe hinweg. Peter Safran, Co-Chef der DC Studios, bemühte sich zwar um Schadensbegrenzung und betonte, dass der Film nur ein Puzzlestück in der langfristigen Strategie sei, doch der strategische Erfolg, den man sich nach dem „Superman“-Erfolg vom letzten Jahr erhofft hatte, blieb aus.

Dabei war der restliche Kinomarkt durchaus in Bewegung. Während „Supergirl“ strauchelte, erlebte Hollywood insgesamt einen der besten Sommer seit der Pandemie. „Toy Story 5“ dominierte mit 70 Millionen Dollar am Wochenende, während sich „Obsession“ wacker in der Spur hielt. Selbst der Schnellschuss „Jackass: Best and Last“, den Paramount als Teil einer Content-Offensive produzierte, konnte sich im Schatten der Blockbuster behaupten.

Die kontroversen Reaktionen auf den Film beschränken sich aber nicht nur auf die nackten Zahlen. Auch die kreativen Entscheidungen von Regisseur Craig Gillespie und Drehbuchautorin Ana Nogueira sorgen für Gesprächsstoff. Die Adaption der gefeierten Graphic Novel „Woman of Tomorrow“ nimmt sich radikale Freiheiten. Wer die Vorlage kennt, wird stutzen: Während in den Comics Ruthye ihrem Erzfeind Krem gegenübersteht, greift im Film Kara selbst zum Äußersten und beendet das Leben des Mannes, der ihre Familie auf dem Gewissen hat. Nogueira verteidigte diesen Bruch mit dem Original als notwendigen Akt der Charakterdefinition. Kara soll sich von Superman abheben, ihre eigene Moral finden und eben auch die Entscheidung treffen, jemanden „von der Landkarte zu tilgen“, wenn es aus ihrer Sicht geboten ist.

Ob dieses „Dirty Hands“-Prinzip, gepaart mit einer eigenwilligen musikalischen Untermalung – etwa der kontrovers diskutierten Zeitlupen-Actionsequenz, die zu einem Cover von Jimmy Eat Worlds „The Middle“ choreografiert wurde –, das Publikum für die Fortsetzung im Jahr 2027 abholen wird, bleibt abzuwarten. Dass Regisseur Gillespie und Nogueira noch immer über die 45 verworfenen Songs für diese Szene rätseln und die Fans über die Abweichungen von der Vorlage streiten, zeigt vor allem eines: DC sucht noch immer nach einer Identität, die über das bloße Kopieren früherer Erfolge hinausgeht. Momentan hinterlässt dieser Prozess vor allem eines – ein sehr ambivalentes Gefühl bei allen Beteiligten.